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Fallbeispiel · ERP · Migration

«95 % angepasst»? Nachgezählt: 6,4 %

Vor dem Entscheid über eine ERP-Migration stand eine Kennzahl im Raum, die jede Schätzung verfälscht hätte. Eine Zuordnung Objekt für Objekt ergab ein ganz anderes Bild.

~9'500ERP-Objekte einzeln zugeordnet
6,4 %echter Eigencode
2 Methodenunabhängig gegengerechnet

Ausgangslage

Für die Migration auf ein neues ERP-Release hiess es, das bestehende System sei zu «95 % angepasst». Mit dieser Zahl wäre jede Aufwandschätzung ins Blaue gegangen. Ich habe nachgeprüft, woher sie stammt: Der Vergleich lief gegen eine internationale Standard-Demo ohne Schweizer Lokalisierung. Drei verschiedene Ursachen – Lokalisierung, Versionsstand und echte Eigenanpassung – steckten in einer einzigen Zahl.

Lösung

  • Saubere Messgrösse: Statt eines Datenbankvergleichs dienten die Änderungsmarker im Code als Massstab, der vom Vergleichssystem unabhängig ist.
  • Vollständige Zuordnung: Jedes der rund 9'500 produktiven Objekte wurde einer Kategorie zugewiesen: Herstellerstandard, zugekauftes Modul oder Eigenentwicklung.
  • Gewichtete Schätzung: Die Eigenobjekte wurden nach Typ (Tabellen, Masken, Codeunits, Berichte) getrennt bewertet – mit besonderem Gewicht auf Eingriffe in die Kernbuchungslogik als grösstem Risiko.
  • Gegenprobe: Eine zweite, unabhängige Bottom-up-Schätzung führte zum selben Ergebnis.

Ergebnis

Nur 6,4 % der Objekte sind echter Eigencode – der Rest ist Herstellerstandard oder Zukaufmodule. Aus einer Zahl im Nebel wurde eine belastbare, nachvollziehbare Aufwandschätzung als Grundlage für einen Investitionsentscheid. Nebenbei kamen sicherheitsrelevante Altlasten im Code ans Licht, die als eigene Massnahmen vor der Migration eingeplant wurden.